eSports: Digitaler Sport mit Zukunftspotenzial

Das digitale Phänomen eSports ist nicht erst seit gestern in aller Gamer-Munde. Vor allem in Asien nimmt das Thema teils unvorstellbare Dimensionen an, vereint Millionen Fans im Livestream oder ausverkauften Arenen und bringt globale Starts zustande, von denen viele noch nicht einmal volljährig sind. Auch in Deutschland gibt es professionell organisierten eSport, Bundesligaklubs wie der FC Schalke 04 oder der VfB Stuttgart unterhalten sogar eigene Profi-Teams. Auch wir machen bei der Social Media Week in Hamburg eSports zum Thema einzelner Vorträge und Diskussionen. Vorab gibt es einen Einblick in das zukunftsträchtige Phänomen und die Kritik, der sich eSports stellen muss.

eSports hat es vor allem der Generation Z angetan, hier finden sich die meisten leidenschaftlichen Anhänger. Das ist sogar nachvollziehbar: Gibt es was Besseres, als den ganzen Tag Videogames auf der Konsole oder am PC zu spielen und dafür sogar noch Geld und Ruhm zu erhalten? Dazu bringt es unheimlich viel Spaß, seinen Zockervorbildern per Livestream über die Schulter zu schauen, wenn sie höchstkonzentriert Fortnite, Fifa oder PUBG spielen. Andere, zumeist Anhänger der älteren Generationen, kennen diese Spieletitel gar nicht erst und fragen sich, wie so etwas ernsthaft als Sport bezeichnet werden kann. Was ist eSport, dass es Generationen spalten kann?

Ist wie Sport, aber irgendwie auch nicht

Der eSport-Bund Deutschland e.V. (kurz: ESBD) legte sich Ende 2018 auf eine Definition fest:

eSport ist der unmittelbare Wettkampf zwischen menschlichen Spieler/innen unter Nutzung von geeigneten Video- und Computerspielen an verschiedenen Geräten und auf digitalen Plattformen unter festgelegten Regeln. Der Vergleich der sportlichen Leistung im eSport bestimmt sich aus dem Zusammenwirken einer zielgerichteten Bedienung der Eingabegeräte in direkter Reaktion auf den dargestellten Spielablauf bei gleichzeitiger taktischer Beherrschung des übergreifenden Spielgeschehens. […].“[1]

[1] https://esportbund.de/esport/was-ist-esport/

eSport hat also ähnliche Rahmenbedingungen wie körperlicher Sport, funktioniert aber nicht ohne Strom, Software, Hardware und insbesondere Internet. Anstatt eines Fuß- oder Tennisballs sind Titel wie League of Legends, Overwatch, DotA 2, Starcraft 2, PUBG oder Counter Strike: GO die Spielgeräte, um sich mit anderen Menschen auf der ganzen Welt zu messen. Das passiert dank Internet und globaler Vernetzung tagtäglich millionenfach. Jeder Sport hat einen Amateur- und Profibereich, beim Gaming ist es nicht anders. Vielleicht mit dem Unterschied, dass 13-jährige bereits eSport-Stars sind und auf professionellem Level Computerspiele spielen, die teils erst ab 18 Jahren freigegeben sind.

Skills, die den Erfolg bedeuten

Spielintelligenz, Muskelgedächtnis, Reflexe und Präzision oder das Reagieren auf spontane Veränderungen – alles entscheidende Fähigkeiten bei Sportlern, um sich im Profibereich durchzusetzen. Das eSports-Team des FC Schalke 04 braucht diese Skills aber genauso dringend, um erfolgreich in den Games FIFA, Pro Evolution Soccer sowie League of Legends anzutreten. Da FIFA nicht viel mit der Ganzkörperbewegung eines Bundesligakickers zu tun hat – weil feinmotorische Fähigkeiten um einiges wichtiger als grobmotorische sind – begleiten Diskussionen den eSport permanent: Verdient es die gleiche Anerkennung wie der konventionelle Sport? Muss eSports gar staatlich gefördert werden, um in Zukunft anschlussfähig zu sein? Braucht es gar eine Einstufung als gemeinnützig oder müsste in letzter Konsequenz olympisch werden? Prof. Dr. Peter Fisch sagt in seinem Rechtsgutachten zu letzteren beiden klar nein. Das Gutachten entstand im Auftrag des

Deutschen Olympischen Sportbund (kurz: DOSB) und erschien am 10. August vergangenen Jahres.[1] eSports taugt laut DOSB unter anderem nicht zum organisierten, gemeinnützigen Sport, da teils explizite Darstellungen von Gewalt Grundlage für Unterhaltung seien. Das trifft aber bei Weitem nicht auf alle eSports-Titel zu. Außerdem steht bei Spielen wie Counter Strike nicht das Töten eines Menschen im Vordergrund, sondern das geschlossene taktische Vorgehen gegen eine gegnerische Mannschaft. Wer getroffen wird, ist raus – wie beim Völkerball. Aber es war vor allem die kommerzielle Ausrichtung der Ligen, die für den DOSB nicht dem gemeinnützigen Gedanken entsprachen. Ist zwar in der Fußball-Bundesliga nicht anders, aber bei eSports dennoch ein wunder Punkt. Da die Zahl der Titel und Spieler konstant wächst, überbieten sich die Organisatoren mit den Preisgeldern. Mittlerweile reicht bei den größten Spieletiteln der Gewinn eines Turniers, um Millionär zu werden.

[1] Siehe https://www.dosb.de/sonderseiten/news/news-detail/news/dosb-veroeffentlicht-gutachten-zum-esport/  sowie im Detail: https://cdn.dosb.de/user_upload/www.dosb.de/uber_uns/eSport/Gutachten_eSport.pdf

Preisgelder im zweistelligen Millionenbereich

Um die Spieletitel und globalen Wettkämpfe attraktiver zu machen und die größten Gaming-Talente anzulocken, werden teils Preisgelder im zweistelligen Millionenbereich an die Teilnehmer ausgeschüttet – zum Beispiel satte 34 Millionen Dollar beim Dota 2 The International 2019 Turnier in Shanghai. Solche horrenden Summen zieht Spieler aus der ganzen Welt an, viele Minderjährige träumen davon, eines Tages zum Champions des eigenen Lieblingsspiels zu werden und in Rente zu gehen zu können, bevor sie 30 werden. Der Weg dahin ist – wie beim echten Profisport – ein extrem anstrengender und langwieriger, der voller Kompromisse, Verzichte, Rückschläge und Zufälle ist.

Doch wie fast jeder digitale Bereich wird auch eSports in Zukunft weiter wachsen und an Relevanz gewinnen, da immer mehr Gamer und vor allem Sponsoren auf den Hypetrain springen wollen. Vielleicht wird es sich in den kommenden Jahren als ernsthaft akzeptierte Rubrik im Sport etablieren, auch wenn das Spielgeschehen durch Polygone und Pixel definiert und mit Controllern und Tastaturen beeinflusst wird. Im Zuge der anhaltenden Digitalisierung und Globalisierung wird eSports zum treibenden Faktor, um die Welt zu modernisieren und „traditionelle“ Denkweisen – wie die Auffassung, Sport wird durch körperliche Bewegung definiert – in Frage zu stellen. Gleichzeitig wirft eSports ein Schlaglicht auf den Erfolg moderner Videospiele und dem immensen Potenzial von Multiplayer-Games.

Social Media Week x eSports

Natürlich nimmt sich auch die Social Media Week in Hamburg dem Thema eSports an. So wird am Mittwoch (14 Uhr im Großen Saal im Hub Theater) unter dem Motto „Social Media und Gaming – Eine gemeinsame (R)Evolution“ in einem großen Panel über die Wechselwirkung von sozialen Medien und (Online-)Gaming diskutiert. Wie prägt Gaming die Kanäle und wie die Kanäle das Gaming und eSports? Das fragen sich unter anderem YouTuber Florian „LeFloid“ Diedrich, eSport-Moderator Daniel Belala und Fabian Nöthe von OMG Fuse. Mehr Informationen zur Veranstaltung gibt es in unserem Online-Programm.

Direkt im Anschluss geht es um eine andere Perspektive auf eSport – soll er olympisch werden? Das Panel „eSports auf dem Weg zu den olympischen Spielen?“ (15.15 Uhr im Galionsfigurensaal, Hub Museum) beschäftigt sich mit eSports vor allem wegen der beeindruckenden Wachstumszahlen hinsichtlich der Teilnehmer und Umsätze und wollen wissen, wie der „echte“ Sport auf eSports reagiert. Christian „Stübi“ Stübinger (Moderator bei Radio Hamburg sowie HSV-Podcaster) spricht mit Hockey Europa- und Weltmeister sowie zweifachen Olympiasieger Moritz Fürste über das Potenzial von eSports. Mehr Informationen gibt es hier.

Nicht konkret um eSports, aber auf jeden Fall um Gaming dreht sich der nächste Vortrag „Branded Entertainment in Kino-Qualität: Wie man Kampagnen im Influencer Marketing eindrucksvoll und erfolgreich umsetzt“ am gleichen Tag (16.30 Uhr im Großen Saal, Hub Theater). Zum Verkaufsstart des Open-World-Shooters „Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint“ wurde eine erfolgreiche Influencer-Kampagne mit Fabian Siegismund aufgesetzt, die einem Branded Entertainment Format auf YouTube mündete. Kampagnen-Protagonisten Studio71 sprechen mit Siegismund darüber, was erfolgreiches Influencer Marketing ausmacht. Alle Infos gibt es auf unserer Website.