(Nicht) noch ein Corona-Podcast. Doch.

Führungskräfte sind sich einig: In der Krise braucht es Kommunikation. Gute und möglichst persönliche Kommunikation. Nicht, dass in den »normalen« Zeiten diese verzichtbar wäre – ganz im Gegenteil. Aber sogar die, die landläufig als maulfaul bezeichnet werden und glauben, die Mitarbeitenden hätten nur Interesse am Lohn und bräuchten keine zusätzlichen Informationen, beginnen ihre Kommunikationsstrategie zu überdenken. Zum Glück. Was wir jetzt – in der Krise und im Homeoffice – brauchen sind Stimmen und Stimmung.

Direkte und persönliche Kommunikation ist das A&O

Kommunikation – sprich Information – ist für die Mitarbeitenden in einer unbekannten und damit als unsicher empfundenen Zeit die Basis für die Zusammenarbeit. Kommunikation stellt sicher, dass Menschen miteinander verbunden bleiben, dass sie sich nicht abgeschnitten oder ausgeschlossen fühlen, sondern sich sicher fühlen. Sie ist auch maßgeblich dafür, dass das Vertrauen in das Unternehmen, die Führung und die Kooperation der Mitarbeitenden weiterhin Bestand hat und – vielleicht am wichtigsten in diesen Zeiten: Kommunikation transportiert den Sinn des Arbeitens. Warum und für wen mache ich unter diesen widrigen Umständen den ganzen Aufwand? Die oftmals esoterisch klingende Frage ist jedoch elementar für die Motivation und das Gelingen in den virtuellen Räumen. Dabei bedeute Sinn, für diejenigen, die sich bisher wenig damit beschäftigt haben – oder wollten, einfach nur zu erleben, dass meine Anstrengungen und Bemühungen auf etwas Größeres einzahlen. Dass mein Arbeiten, in häuslicher Gemeinschaft (oder Gewahrsam) mit Partner*in und vielleicht Kindern auf 75 Quadratmetern mit den dazugehörigen Mehrfachbelastungen, nicht für die Katz waren.

Warum noch einen Podcast?

Dabei prasseln auf uns unzählige Meldungen, Nachriten, Mails, Tweets, Chats und aktuell Podcasts ein, die um Aufmerksamkeit heischen. Warum also noch einen Podcast? Das machen neben der Bundeskanzlerin und Böhmermann auch der Kiosk um die Ecke.

Podcasts sind voll im Trend

Die ersten Podcasts wurden 2005 veröffentlicht. Doch in Deutschland haben sie erst nach dem flächendeckenden Siegeszug der Smartphones, den günstigen Datenraten der Mobilfunkanbieter, dem Erfolg der Hörbücher und -spiele und dem Podcast-Engagement bekannter Persönlichkeiten – angefangen bei Tim Mälzer über Frank Thelen bis hin zum ganz aktuell dem Coronavirus Update Podcast mit Prof. Christian Drosten – an Bedeutung gewonnen. Rund 15 Prozent der Deutschen hören mindestens wöchentlich Podcasts und stellen laut der Podcast-Umfrage der OMR mit 87,2 Prozent der Befragten die große Mehrheit da. Wer Podcasts.hört, hört oft und regelmäßig. 

Absolut unterentwickelt ist das Thema noch für die Unternehmenskommunikation, obwohl das Audioformat wirklich geeignet ist und gegenüber zahlreichen anderen Kanälen vielen Vorteile bietet:

Technische Vorteile in der Hörer-Ansprache

Podcasts werden bisher meist über große Web-Plattformen wie Apple Podcast oder Spotify veröffentlicht und einer möglichst breiten Zuhörerschaft zugänglichgemacht. Allerdings bedeutet es nicht, dass ein Podcast nicht auch nur für eine kleinen Zielgruppe, wie beispielsweise deine Mitarbeitenden, zugänglich gemacht werden kann. Die Aus- und Ansteuerung von Zielgruppen ist hier ähnlich differenziert möglich wie bei einem Mailing oder anderen Werbeformen, denn eine Audio-Datei ist letztlich auch nichts anderes als ein Haufen von Daten, wie ein Bild.

Technisch einfach zu produzieren

Anders als bei Bild- oder Video-Nachrichten, wo das Invest für einen qualitativ hohen Output erheblich sein kann, lassen sich technisch gute Podcasts mit einem kleinen Budget und geringem technisch Know-how bewerkstelligen. Trotzdem ist das Qualitätsniveau bei Podcasts relativ hoch und die Möglichkeit die Zuhörer*innen mit Dissonanzen zu verschrecken nicht unerheblich. Hingegen ist ein Merkmal von Podcasts, dass die Zuhörenden meist keine geschliffene Sprache, wie bei Hörfunk-Journalisten erwarten, sondern eher die Authentizität der*s Sprechenden schätzen. Wer also für ein Bild oder Video, das”mal eben auf mit draufhalten” aufgenommen wurde, in Ungnade bei der Zielgruppe fällt, bekommt mit Ähhs und Versprechern eher einen Echtheits-Bonus. Auch einfache Podcasts wirken in der Regel wertiger, vertrauenswürdiger und durchdachter als viele Videoproduktionen.

Einfach zu konsumieren (im Gegensatz zu Video, Mails etc.)

Podcasts funktionieren praktisch überall und in fast jeder Situation. Ob am Schreibtisch, beim Frühstück-Machen, Abwaschen, auf dem Laufband oder beim Joggen und natürlich auf dem Rad, im Bus oder Auto. Wer schon mal versucht hat, beim Radfahren oder beim Joggen einen Film zu sehen oder den Blogpost, die Mail vom Chef zu lesen, weiß, wie schwierig und gefährlich diese Kanäle sein können. Podcasts lassen sich bestens pausieren und später weiter hören, oftmals verfügen die Player auch über Tempo-Optionen, sodass die Aufnahmen mit erhöhter Geschwindigkeit angehört werden können. Hinzu kommt, dass fast jede*r heute mindestens ein exzellentes Abspielgerät hat und in den meisten Fällen dies auch fast den ganzen Tag mit sich trägt: das Smartphone. Und während bei der Videonutzung das Handy nur eine gute Alternative zu TV-Gerät, Tablet oder Rechner darstellt, ist es hier die erste Wahl. Natürlich lassen sich Podcasts auch am Rechner oder über die Anlage hören, so wie ehemals das Radio auf der Fensterbank dudelte, dass können Podcasts auch.

Direkt ins Hirn deiner Zuhörer

Der Vorteil eines Podcasts ist, dass es sich um reine Audio-Beiträge handelt. Das heißt, der Hörer benötigt nur seine Ohren. So nah und ungehindert kommen Führungskräfte und Unternehmenslenker*innen sonst selten mit ihren Worten ans Hirn ihrer Mitarbeitenden. Gerade weil allgemein die Aufmerksamkeitsspanne sinken, ist diese singuläre und einfache Kommunikation ein gutes Instrument, um authentisch und vertrauensschaffend Informationen zu transportieren. Beim Lesen von Blogs, Emails oder beim Anschauen von Videos hingegen werden zwar mehr Sinne angesprochen, jedoch hat dies auch den Nachteil des schnelleren Fokus-Verlustes.

Persönlich: deine Stimme

Durch die Nähe und Exklusivität beim Podcasten werden Persönlichkeit und Emotion optimal transportiert. Wer jetzt meint, keine Sprecherstimme zu haben, darf sich ins Gedächtnis rufen, dass es beim Podcast gerade um die „Echtheit“ geht und die eigenen Stimme sich für die Zuhörer im Podcast genauso anhört, wie im persönlichen Gespräch. Nur wir selbst hören uns anders. Durch die direkte Ansprache und die persönlich präsentierten Inhalte bleiben diese länger im Bewusstsein haften. Danke des Hörbuch-Booms und dem aktuellen Podcast-Trend erlebt „das Hören“ eine wahre Renaissance.

Schnell, in jeder Hinsicht

Ein Podcast ist –je nach Länge und Format – in recht kurzer Zeit produziert, bereitgestellt und im Ohr des*r Konsumen*tin. Mit technisch einfachem Equipment (s. o.) und einer Website könnte, nach der technischen Einrichtung, eine kurze ad-hoc Benachrichtigung von der Unternehmensleitung oder ein Grußwort für die Woche an alle Mitarbeitenden nach weniger als einer Stunde bereits in deren Ohren der abgespielt werden. So könnten gerade in Zeiten wie der Covid19-Krise Entscheidungen und Informationen innerhalb kürzester Zeit und ganz persönlich (s.o.) bei den Mitarbeitenden landen.

Format-Vielfalt

Doch neben den Krisen-Formaten sind Podcasts vielseitigst einsetzbar. Ob einzelne Abteilungen (bspw. der Vertrieb oder Kundenservice), die Mitglieder eines Teams, das gesamte Kollegium oder eine internationale Projektgruppe, die Zielgruppendefinition für den Podcast ist ebenso variabel wie die Formate. Neben der schnellen oder tief greifenden Information bieten sich Podcast besonders auch für die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden an, wie für das Marketing in eigener Sache. Podcast variieren in der Länge extrem. So gibt es zahlreiche Fünfminüter und ebensoviele, die länger als zwei Stunden dauern. Podcasts werden als Sprach-/Information- oder Erklär-Versionen einer Person produziert. Mindestens genauso beliebt ist das Interviewformat oder Gespräche mit mehreren Personen, die die großartige Möglichkeit bieten auch die Mitarbeitenden (die Zuhörerschaft) zu involvieren und sich Feedback einzuholen. Die Optionen sind vielfältig und sollten, gerade in der professionellen Kommunikation, zielgruppen- und bedarfsgenau geplant und produziert werden: Wer soll was kommunizieren und welches Format ist optimal für die Empfänger*innen.

Bevor ich es vergesse, noch ganz kurz: Was genau ist ein Podcast? Podcast setzt sich aus den Wörtern Broadcasting (englisch für übertragen) und iPod (der mp3-Player aus dem Hause Apple, der das Hören-für-unterwegs zum Trend machte, quasi der Erbe des Walkman) zusammen. Podcast sind Audioinhalte, die im Stream (also live im Web abgespielt) oder im Download gehört werden können. Jeder Podcast hat mehrere Episoden, die in der Regel zyklisch veröffentlicht werden und meist via Abonnement automatisch auf das Smartphone, mobile Gerät oder auch auf den PC geladen werden. Durch die große Flexibilität werden Podcasts auch als „Radio zum Mitnehmen“ bezeichnet.

Fazit

Bei dem noch jungen Format Podcast ist wichtig, keine Wissenschaft oder Olympiade daraus zu machen, sondern an den Nutzen für das Unternehmen und die Zuhörer*innen zu denken. Je schneller, persönlicher und authentischer diese die Informationen aus dem Unternehmen bekommen, desto engagierter, motivierter und werden sie sich einbringen – auch und gerade in der Krise.

 

Jan Schleifer

Jan ist seit über 20 Jahren Berater und Coach für Kommunikation und Kultur in Unternehmen, in der Führung und in Teams. In seiner Arbeit geht es darum Gemeinsamkeiten, Ziele und Visionen zu entdecken und das Potenzial der Vielfalt zu nutzen, um zu wachsen, zu fördern und zu entfalten.

Er veröffentlich wöchentlich den FearlessCulture Podcast, indem er mit seinen Gästen darüber diskutiert, wie eine Kultur erschaffen wird, in der es jeder:m Spaß macht zu wachsen und sich einzubringen, dabei werden furchtlos Erfolge & Scheitern angeschaut, um Lösungswege zu finden.

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