So war unsere erste #SMWHH Fokus Session zum Thema Nachhaltigkeit

Die Social Media Week hat eine neue Veranstaltungsreihe: Die #SMWHH Fokus Session.Zur Premiere in der Sturmfreien Bude Alster zum Thema Nachhaltigkeit stand eine hochaktuelle Frage im Mittelpunkt: Was müssen Marken und Unternehmen ändern, um zukünftig Konsumenten zu erreichen?


Mit an Bord waren vier hochkarätige Speaker: Timm Duffner, Social Activist bei Ben & Jerry’s und Gründer von HEYHO! Granola, Anita Wälz, Geschäftsführerin/Leiterin Unternehmenskommunikation Lidl Deutschland, Markus Grabichler, Media Marketing des SPIEGEL Verlags sowie Joko Weykopf, Geschäftsführer der Polycore Agentur aus Hamburg.

Im ersten Impulsvortrag stellte Timm Duffner die Frage: „Können Eis oder Müsli die Welt verändern?“ Die klare Antwort ist Nein, denn Menschen schaffen Veränderung. Die Kommunikation über Nachhaltigkeit verändert sich momentan stark. Sein Tipp an Unternehmen: Gegenüber dem Konsumenten mehr Transparenz zeigen und thematisch noch stärker in die Tiefe gehen. Denn am Ende ist der mutig, der seine eigene Bequemlichkeit herausfordert und andere mitreißt.

Im Anschluss stellte Anita Wälz Insights von LIDL vor. Das Familienunternehmen mit über 80.000 Mitarbeitern ist ein Big Player auf dem Markt, dessen Entscheidungen einen gewissen Impact haben. Laut Wälz wird der Kunde immer kritischer, was sich allein schon an der stetig wachsenden Nachfrage nach Fairtrade und Bio-Produkten ablesen lässt. Ihr Tipp an Unternehmen: Den Kunden aktiv einbinden und Feedback erfragen. So hat LIDL vor kurzem in einem Vegan-Konfigurator Kunden abstimmen lassen, welche veganen Produkte sie sich wünschen – Platz 1 war wenig überraschend die Pizza. Auch bei einem großem Discounter wie LIDL gibt es immer Bereiche, die man nicht von heute auf morgen verändern kann. „Aber wir versuchen unseren Beitrag zu leisten und trotzdem das beste Produkt zum besten Preis anzubieten“, so Wälz.

 

Als Kernstück der Veranstaltung stellten Markus Grabichler und Joko Weykopf ein Update der Studie „Komm näher. Was Weltverbesser antreibt“ zu nachhaltigem Konsum vor. Besucher der SMWHH 2019 haben vielleicht schon von der Basisstudie gehört, die nun im Zusammenarbeit mit dem SPIEGEL Verlag erweitert wurde. Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Beim Thema Nachhaltigkeit gibt es keine klassischen Marketing-Zielgruppen mehr, man muss noch mehr auf den Lebensstil und Antrieb der Menschen eingehen. „Konsum ist viel politischer geworden, er ist Aktivismus“, fasst Weykopf zusammen. Nachhaltigkeit wird nach wie vor als Luxus wahrgenommen und Kunden sind sich unsicher, was heutzutage wirklich nachhaltig ist und was schlecht sei. In dieser Verwirrung müssen Marken Orientierung anbieten und die Nachhaltigkeit der Produkte im Alltag konkret erlebbar machen – indem man zum Beispiel am PoS ein Waschbecken bereitstellt, um Seife auszuprobieren. Grabichler weist dabei den Medien eine Sonderrolle zu, denn sie müssen vom Konsumenten als zentralen Impulsgeber wahrgenommen werden, Aufklärung betreiben und klare Handlungsempfehlungen an den Konsumenten weitergeben.

In der abschließenden Paneldiskussion schwirrte unter anderem die Frage im Raum, wer Veränderung schaffen soll– Unternehmen, Politik, NGOs oder der Konsument selbst? Während letztere und NGOs Druck ausüben können, muss die Politik den gesetzlichen Rahmen schaffen. Allerdings können Unternehmen durch ihre Handlungsfähigkeit Veränderungen schneller vorantreiben. Dafür braucht es aber radikale Entscheidungen, um die globale Katastrophe zu verhindern – doch aus wirtschaftlichen Gründen gehen Firmen zu selten das Risiko ein, den Weg für die nötige Veränderung zu ebnen.